Otto
Beck

Gunter Heike Galerie Jeroch 1984

Gunter Heike Katalog Galerie Jeroch  Hannover 1984   Sie waren aufgebrochen, um der unabwendbaren Vernichtung ihres bisherigen Lebensraumes zu entkommen. sollten sich auf den höchsten Gipfel retten, und sie durften nicht zurückblicken. Eine aber schaute sich um nach Sodom und Gomorrha und erstarrte zur Salzsäule. Die von Otto Beck gelegte Spur einer denkbar ein-samen und geistigen Welt verzichtet auf die Schilderung so! -her Geschichte, verzichtet auf die Schilderung eines bestimmten Zeitabschnitts. Seine dargestellten Räume sind nicht eingerichtet, die Landschaften nicht zu bereisen, die Motive an keiner Realität auszumachen, die Figuren nicht personifiziert. Glyphen in den Farben einer vergänglichen Realität, variiert und übermalt, bis die Summe aller Nöte und Urängste hinter einer manchmal suchend auf-gerissenen Oberfläche verschlossen ist. Die Kompositionen sind konzentriert. Weiß, Grau und Blau als Ausdruck des Lichts, der vergeblichen Erkenntnis und des Geistigen. Schimmernde Farblosigkeit kostbarer Zurückhaltung. Otto Becks frühere Bilder stellen uns körperhafte Räume des Geistes, spirituelle Gefäße, archaische Urlandschaften, "Denkmale " zur Verfügung. Die im hohen Grad vollkommene Handhabung der zeichnerischen und malerischen Mittel, der Reiz der klaren Kompositionen, die zurückhaltende noble Farbigkeit, die Kargheit und Apartheit der hermetisch verdichteten Oberfläche und der lebendige Schwung seiner subjektiven Handschrift sind allemal Grund genug, sich diesen Bildern zuzuwenden. Aber etwas Zeitloses, in Agonie Verharrendes haftet ihnen an. Wenn der Betrachter nicht mitarbeitet, nicht nachdenkt, nicht weiterdenkt, ist er leicht in der Gefahr, zur eingangs erwähnten Salzsäule zu erstarren. Der Künstler Otto Beck ist mit seinen neueren Arbeiten konsequent vorangegangen auf dem Weg zum Gipfel. Die ehemals versteinerten Oberflächen sind zerbrochen, das rückschauende Verharren ist einer aufbrechenden Verzweiflung gewichen. Kämpfende, flüchtende, fallende oder jagende Figuren symbolisieren Stationen einer Bedrohung, die dem körperhaft Gebundenen entfliehen muss. Jetzt sind die Kompositionen ausschnitthafter, über das Format hetzend, die Farbigkeit ergänzt durch vitale Töne: Gelb, Rot und Grün. Die aus der spontanen Handschrift fließenden Zeichen wirken transparent, dynamisch, frei. Eine aktualisierte Unruhe lässt die Gedanken zu einem Gipfel aufbrechen, der Ungewissheit und Hoffnung zugleich verheißt. Sie waren aufgebrochen, um der unabwendbaren Vernichtung ihres bisherigen Lebensraumes zu entkommen. sollten sich auf den höchsten Gipfel retten, und sie durften nicht zurückblicken. Eine aber schaute sich um nach Sodom und Gomorrha und erstarrte zur Salzsäule. Seine dargestellten Räume sind nicht eingerichtet, die Landschaften nicht zu bereisen, die Motive an keiner Realität auszumachen, die Figuren nicht personifiziert. Eine aktualisierte Unruhe lässt die Gedanken zu einem Gipfel aufbrechen, der Ungewissheit und Hoffnung zugleich verheißt.