Kollegienkirche

Kollegienkirche von 1696 bis 1707

Aufführung eines barocken Schultheaters zur 300-Jahr-Feier der Kollegienkirche

Der Architekt der Kirche war Johann Fischer von Erlach. Die Kirche ist heute der bedeutendste Kirchenbau der Stadt Salzburg neben dem Dom, ein Hauptwerk des Barockarchitekten Erlach und ein Kirchenbau von internationalem Rang. Erlach lässt hier zugunsten der Erlebbarkeit des Gesamtbauwerkes und seiner Architektur die Gestaltung der detaillierenden Schmuckelemente - auch durch die Ausführung des Kircheninneren in einheitlich weißer Farbe ohne Gemälde - zurücktreten. Der Kirchenbau wurde zum Vorbild vieler spätbarocken Kirchen im süddeutschen Raum.

Geschichte

Bereits der Salzburger Erzbischof und Gründer der 1623 päpstlich bestätigten Universität, Paris Lodron, und dessen Nachfolger Kardinal Guidobald Graf Thun hatten die Errichtung einer Universitätskirche beabsichtigt, doch sollte es noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts dauern, ehe sich die Baupläne konkretisierten. So sollte einer am 23.9.1694 erfolgten beträchtlichen Stiftung des Erzbischofs Johann Ernst Graf Thun am 6.12. desselben Jahres das Dekret zu einem Neubau folgen.
Dieser wurde am 12.3.1696 nach Entwürfen des noch jungen Johann Bernhard Fischer von Erlach ins Werk gesetzt. Die Leitung der Bauarbeiten hatte der Hofmaurermeister Johann Grabner inne. Am 20.11.1707 konnte die Weihe des Baus stattfinden, dessen Innenausstattung jedoch noch einige Jahrzehnte in Anspruch nahm.

  • 1683, Zweite Belagerung von Wien durch die Osmanen
  • Ludwig XIV. genannt „der Sonnenkönig“ 1701

  • 1699 - Die Türken verlieren im Frieden von Karlowitz Ungarn und Siebenbürgen an Österreich. Österreich wird europäische Großmacht.
  • Johann Ernst Graf von Thun und Hohenstein (1643-1709)
    Ab 1687 Erzbischof von Salzburg baute Johann Ernst Graf von Thun Salzburg zu einer prachtvollen Barockstadt aus. Von Johann Bernhard Fischer von Erlach ließ er die Kollegien-, Ursulinen- und Dreifaltigkeitskirche sowie Schloss Klessheim bauen. Neben zahlreichen kleineren Bauten kaufte er das Salzburger Glockenspiel und errichtete die Domorgel. Außerdem legte er den Grundstein für den Bau des heutigen Landeskrankenhauses.
  • Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791)

Architektur

Johann Bernhard Fischer von Erlach konzipierte die der Unbefleckten Jungfrau Maria geweihte Kirche als rechteckig ummantelten, kreuzförmigen Zentralbau, in dessen Winkeln sich vier Kapellen über ovalem Grundriss befinden. Die zentrierte Wirkung des Innenraums relativiert sich durch die fast turmartige Höhe des Vierungsbereichs, dessen Kuppel erst über einem abnorm hohen Tambour ansetzt.
Die Fassade zitiert jene des 1614-28 durch Santino Solari erbauten Salzburger Doms, dessen plane Schauseite sie auf eine seiner Konchen (Eine Konche (gr. konché; lat. concha, „Muschel“) ist in der Architektur eine halbrunde Nische, die in der Regel nach oben mit einer Kalotte abgeschlossen ist. Im Kirchenbau kann eine Apsis oder eine Seitenkapelle als Konche angelegt sein.) zu projizieren scheint. Der halbrund ausschwingende, in seiner unteren Zone durch Arkaden geöffnete Mittelteil bereitet so auf die hochaufragende Kuppel vor. Die Wandgliederung selbst bleibt hingegen mit ihren flachen Pilastern und den eher graphisch aufgefaßten Detailformen in ihrer Plastizität beschränkt. Die fast isoliert stehenden, niedrigen Flankentürme werden vor allem durch das übergreifende Hauptgesims und eine korrespondierende Pilastergliederung in den Fassadenblock eingebunden, der in seiner fast aggressiven Dynamik eine wichtige Stufe innerhalb der Entwicklung spätbarocker Fassadengestaltungen einnimmt.

Dekoration und Ausstattung

Das ursprüngliche Ausstattungskonzept blieb durch den frühen Tod des Auftraggebers im Jahr 1709 weitestgehend unausgeführt. So beschränkt sich die Stuckierung mit ihren von Putten bevölkerten Wölkchen auf die Chorpartie. Der Hochaltar wurde erst 1740 zur Aufstellung gebracht und weicht deutlich von Fischers ursprünglichem Konzept ab. Der Baumeister hatte nämlich die von riesigen Säulen flankierte Apsis selbst als Altar vorgesehen.
Von der übrigen Ausstattung verdienen insbesondere die qualitätvollen Seitenaltäre mit den Gemälden Johann Michael Rottmayers (1721-22) und die Statuen Josef Anton Pfaffingers besonderes Augenmerk.

Die Türme besitzen bei dieser Kirche keine Turmhaube mehr, sie lösen sich vielmehr nach oben hin feingliedrig in von allegorischen Figuren gekrönten Balustraden auf. Die Figuren stellen links (im Süden) die vier Erzengel (Michael, Gabriel, Raffael und Uriel), und rechts (im Norden) die vier römischen Kirchenväter (Augustinus, Ambrosius, Hieronymus und Gregor d.Gr.) dar. Zudem sind als Bekrönung der Hauptfassade Engelsfiguren zu sehen. Die Gestalt der Heiligen Maria auf einer Mondsichel krönt die Mitte des Bauwerkes. Der Bau wird durch die vier Hauptkapellen zu einem Zentralbau vereinheitlicht. Die Kapellen sind dabei den vier Fakultätsheiligen geweiht.

Thomas von Aquin: Theologie
Ivo: Rechtswissenschaft

Lukas: Medizin
Katharina: Philosophie

In der Zeit der Besatzung durch Napoleon und die französischen Truppen diente die Kollegienkirche demonstrativ als militärisches Heulager. Nach Auflösung der Universität wurde sie in der Zeit der Monarchie zur Garnisonskirche. 1922 fand hier im Rahmen der Salzburger Festspiele erstmals der "Große Salzburger Welttheater" von Hugo von Hofmannsthal statt. Seit 1964 ist die Kollegienkirche wieder Universitätskirche.
Eine Generalsanierung dieser alten Kirche ist derzeit dringend erforderlich, aber aus Geldmangel großteils noch nicht umgesetzt. Die erste restaurierte Kapelle ist jene des Heiligen Ivo.